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„Soforsch-so furchtlos“ von Andrea Abreu, eine Lese-Empfehlung

Veröffentlicht

 

 

Rezension des Romans

„ So forsch, so furchtlos!“ von Andrea Abreu,  

Übersetzerin Christiane Quandt, 

Kiwi-Verlag                                                   

2022, ISBN 978-346-00175-4

 

Ich habe in meinem bisherigen Leben noch nie so ein Buch gelesen,

ein Buch , welches mich in vielerlei Hinsicht einfach überrascht hat.

Der Roman über eine intensive Mädchenfreundschaft in einem Dorf

im Inselinneren Teneriffas schildert, wie diese an zu großer Intensität,

an unerfüllten Erwartungen usw. zerbricht. Er hat mich von der ersten bis zur letzten

Seite überwiegend fasziniert.

Ich muss dazu sagen, dass er sich an eine jung gebliebene Zielgruppe richtet

Und das vor allem der Sprache wegen, die oft derb, oft lakonisch, manchmal im

Jugend-Slang ist und mit der die junge Protagonistin schonungslos Aktivitäten

aber auch sinnliche Vorgänge wie Erkundung des eigenen Körpers, Pedding, usw.

beschreibt, Nahrungsaufnahme und Verdauung , wenig wird da ausgelassen.

Manches ist witzig, anderes ekelig, oft wird der Ekel bis zur Schmerzgrenze ausgereizt,

auf einer Skala von 1 bis 10, liegt dieses Ausreizen ganz oben.

Doch ist es nicht das Privileg der Jugend, diese Dinge so zu beschreiben, den Geschlechtsteilen vulgäre Namen zu geben , zum Beispiel oder aber

Beschreibungen vom Erbrechen nach Fress-Orgien zu schildern ?

 

Die Stimmung dieser Jugendlichen und auch ihrer Freundin Isora wechselt schnell:

Von fröhlich, ausgelassen, bis hin zu melancholisch, mal himmelhoch jauchzend, mal

zu Tode betrübt. Einige Male wollte ich das Buch schon zur Seite legen, ein bisschen Pause einlegen, doch dann faszinierten mich Sätze wie diese:

„Und aus dem Küchenfenster konnte man Feuerwerkskörper am Himmel platzen sehen.

Sie platzten, weil irgendein Dorf ein Fest feierte. Es waren Feuerwerkskörper wie riesige Sterne, die am schwarzen Himmel vibrierten.“

Von solch stillen Betrachtungen, von schwarzen Wolken über der Insel, die Regen bringen,

gibt es etliche, doch dann wieder ganze Passagen zum Totlachen, zum Schmunzeln.

 

Eines der Lieblingswörter von Isora ist zum Beispiel „Fitzelchen“:

„Ein Fitzelchen von den kleinen Kartöffelchen würde ich schon sehr gerne essen!“

Die Aktivitäten der beiden Pubertierenden sind manchmal dröge, sehr oft aber voller Phantasie, manchmal auch schräg.

Die Barbies hatten Bedienstete, denen sie Schläge auf den Hintern gaben und die sie sagen ließen: „Los, Muli, hopp, hopp, erledige deine Aufgaben!“

Einer ,der immer mitspielte, war Juanita Bananas, ein Junge aus der Nachbarschaft.

Zwischen denZeilen erfährt der Leser viel über das bescheidene Leben der Bewohnerinnen

und Bewohner der Insel Teneriffa, die Touristen-Villen und Swimmingpools putzen müssen, in kleinen Lebensmittelgeschäften schuften und deren Vergnügungen einzelner Dorffeste sin;, er erfährt  vom Computerkurs-Leiter im örtlichen Bildungszentrum und den Chatrooms, von Scham und Überspielen und Überhitzung.

Man kann sagen: puzzle-artig ergibt sich ein genaueres Bild vom Leben auf dieser Insel Teneriffa, deren Rosinenseiten für die Einwohner kaum zu genießen sind.

Fazit: Für Menschen, die in Büchern gerne in andere Kulturen reisen, dieses atemlos tun,

atemlos im Sauseschritt, dabei jung geblieben sind, ist dieses Buch eine fesselnde Lektüre.

Renate Rave-Schneider, 14.08.2022 copyright…

 

 

 

 

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