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November-Geburtstagskinder von der schreibenden Zunft…

Der November ist ein Monat, in dem etliche Autorinnen und Autoren geboren wurden, alleine in der ersten Monatshälfte lesen wir Namen wie:

Erika Mann am 9.11., Fjodor Dostojewski am 11.11., Astrid Lindgren am 14.11., Julia Beylouny am 15.11 und schließlich am 16.11. noch Karen Duve und meine Wenigkeit Renate Rave-Schneider. Diese Schreibenden sind Menschen höchst unterschiedlicher Wesensart, jedoch alle unter der Sonne des Tierkreiszeichens Skorpion geboren. Eint sie vielleicht alle das ein oder andere übereinstimmende Charaktermerkmal?  Da lohnt es sich einzelne aus dieser Liste mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Zum Beispiel Dostojewski, Fjodor Dostojewski, am 11.11.1821  in Moskau geboren, der sich als großer Philosoph und Psychologe in die Literaturgeschichte eingeschrieben hat und durch Werke wie „Schuld und Sühne“, „Der Idiot“, „Die Dämonen“ und „Der Spieler“ berühmt geworden ist. Der Autor ist bekannt dafür, dass er die Seelen seiner Protagonisten entblößt, ihr Leben auf links stülpt und kritisch alle kleinen Falten und Runzeln betrachtet. Vor allem im „Spieler“ sind Liebe, Leidenschaft, Machtkampf und auch Geld die zentralen Themen, es sind solche, die Skorpion-Geborene stets besonders interessieren.

Bei der Kinderbuch-Autorin Astrid Lindgren, die am 14.11.1907 in Schweden geboren wurde und zwar auf dem Hof Näs bei Vimmerby ist es auf dem ersten Blick nicht so einfach die Tiefgründigkeit und  das Seelenleid in ihren Texten zu finden. Doch es ist spürbar, etwa, wenn die Kinder sich gegen die feindliche Erwachsenenwelt zusammenrotten oder wenn sie sich bei einem betrunkenen Schuster in Bullerbü gemeinsam still in einer Ecke ducken und so die bedrohliche Situation, das Warten auf die abzuholenden Schuhe,  irgendwie meistern. Schön bei Astrid Lindgren ist einmal das tiefe Wissen um Freud und Leid der Knderseele und auch die stete Aussicht auf ein Lichtlein am Ende eines dunklen Tunnels, auf das Frühlingserwachen nach einem schneereichen Winter. Und in einer von ihr erzählten Episode kommt die ganze Tragweite des kindlichen Wissens  zu Tage. „Eine Mutter wollte ihren sechsjährigen Sohn bestrafen, der eine Missetat begangen hatte. Sie verlangte von ihm den Stock, mit dem sie ihm aufs Hinterteil schlagen sollte, selber zu suchen. Doch er kam mit einem Stein wieder und sagte, dass die Mutter diesen nehmen solle, um ihn zu erschlagen.Die Frau brach weinend zusammen und umarmte ihren Sohn!“

Die Paderborner Autorin Julia Beylouny, die am 15.11.1980 geboren wurde, ist seit ihrer Kindheit vom geschriebenen Wort fasziniert und startete als Dreizehnjährige ihre ersten Schreibversuche mit Gedichten. Ich hatte das Glück sie vor zehn Jahren bei einer Wohnzimmer-Lesung kennenzulernen und gehöre seit einigen Jahren zu ihrer Fan-Gemeinde. Aktuell ist übrigens jetzt im Oktober gerade bei Book on demands ein neues Werk von ihr erschienen, welches den Titel trägt „Die Legende von Sams Cliffs“. Köstlich war die Lektüre von „Antonio hat eine Idee“, das ist die Geschichte eines Süditalieners, der mit List, Witz, Fleiß und Ellenbogenkräften aus einer Imbissbude in Wewel schließlich ein echtes Spezialitäten-Restaurant macht, dieses Buch ist schwungvoll und mit Spannungsbogen erzählt. Der  augenzwinkernde Humor des Protagonisten erheitert.

Viele der Liebesromane der Autorin sind in England und der rauen Natur Schottlands angesiedelt. Zuletzt habe ich von ihr mit Gewinn den über 300 Seiten starken Roman „Weil ich dich sehe“ gelesen.  Er hat mich sehr angesprochen und zwar auch von der metaphysischen Seite her. Julia Beylouny versteht es kunstvoll mehrere Handlungsstränge miteinander zu verweben und genauso kunstvoll schließlich die dunklen Schatten der Vergangenheit, die brennende Sehnsucht und Leidenschaft, die quälenden Fragen der Protagonistin Allie  aufzulösen und sie mit Gavin in eine freudvolle Zukunft zu führen. Gut gefallen haben mir auch die Dialoge. Wie in einem Pingpong-Spiel geht so mancher freundschaftliche Schlagabtausch hin und her. Ich bin schon sehr gespannt auf ihr neueste Werk, die Legende von Sams Cliffs.

Die Autorin Karen Duve, 1961 in Hamburg geboren und seit über zwölf Jahren in der märkischen Schweiz in Brandenburg lebend, hat wie ich am 16. November Geburtstag. Ich durfte sie gleich zweimal kennenlernen, zum ersten Mal war das im Jahre 1997 im Cafe Saitensprung nach einer meiner ersten Poetry Parties . Da las sie eine Passage aus

ihrer 1995 erschienenen Erzählung „Im tiefen Schnee ein stilless Haus“, was mich nachdenklich stimmte.

Ich verschlang ihren einige Zeit später erscheinenden Regenroman und lauschte gerne dem Hörbuch ihrer aus dem Leben gegriffenen Taxi-Geschichten- sie selber jobbte in Hamburg viele Jahre als Taxifahrerin- und dann hörte ich viele Jahre persönlich nichts von ihr. Das änderte sich Anfang 2019, als ich  ihren 2018  bei Galiani Berlin erschienenen Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ in einem Rutsch las. Es handelt von der noch sehr jungen Annette von Droste-Hülshoff, die eine zarte Freundschaft mit dem Autor Straube hatte. Doch jemand, der sie zutiefst anzog, erotisch anzog, war Arnswaldt, hier ein Auszug aus dem 28. Kapitel:“ Im Treibhaus“. S. 446

„Arnswaldt drückte sie auf den Boden. Ganz leicht, selbstverständlich. Er kniete sich einfach hin und nahm sie in seinen Armen mit, legte sie vor sich wie eine Beute, betrachtete sie und legte sich dann auf sie. Der Geruch seines kölnischen Wassers mischte sich mit einem schweren, sumpfigen Pflanzenduft.“

Als Lesebürgerin des CfL durfte ich Karen Duve im Sommer 2019 bei den Droste-Tagen im Haus Rüschhaus fürs Frequenz-Radio interviewen und sie sagte, der Dichterin Annette folgende Worte in den Mund legend : „Straube war mein Freund, doch Arnswaldt, der ging mir durch und durch!“

Und das ist eben die gemeinsame Schnittmenge aller bisher erwähnten Autorinnen und Autoren, die unter der Sonne des Skorpions geboren wurden:  Eine gewisse Abgründigkeit, Sinnlichkeit und Leidenschaft ist ein wichtiger Aspekt davon.

 

Ich wünsche allen erwähnten noch lebenden Autorinnen ein gesundes und schaffensfreudiges neues Lebensjahr. Übrigens werde ich selber am 16. November auch ein besonderes Alter erreichen und den siebzigsten Geburtstag feiern.

Renate Rave-Schneider

 

6 Gedanken zu „November-Geburtstagskinder von der schreibenden Zunft…

  1. Deine interessante Vorstellung der Nov. Geburtstagskinder der schreibenden Zunft, habe ich sehr gerne gelesen. Danke für diesen bereichernden Streifzug.
    Einen runden Geburtstag zu feiern, ist immer ein besonderes Ereignis.

  2. Ob deine Zukunft in den Karten liegt,
    das Glück dich beim Würfeln schamlos betrügt,
    dein Mut den Gewinn in die Höhe treibt,
    – der Spieler weiß: Wer schreibt, der bleibt.

    So haben sich all diese Schreiberlinge
    über Sehnsucht, Hoffnung und Herzensdinge
    mit Figuren und Orten, die wir lieben,
    für immer in unser Gedächtnis geschrieben.

    Alles Gute zu deinem runden Geburtstag und weiterhin noch viele kreative Ideen für zahlreiche Projekte in Sachen Literatur wünsche ich dir!

    1. Liebe Andrea,
      Deine Verse hauen mich um, denn sie erhalten mehr als ein Körnchen Wahrheit und
      treffen in Einem hundertprozentig den Nagel auf den Kopf:
      Dass wir Fahrensleute von der schreibenden Zunft ohne unsere Passion verdorren würden wie Fische auf dem Trockenen. Danke für diese köstlichen Reime….und weiter so…

  3. Wie immer ein toller Beitrag von Dir, liebe Renate! Es ist schön, auf deiner Seite zu stöbern und sich neue Ideen und Eindrücke zu holen. Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag, wenn du morgen deinen runden Geburtstag feiert! Und ich freue mich auf ein Wiedersehen! Liebe Grüße, Julia

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