Tod des Iwan Iljitsch

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Leo Tolstoi

Und plötzlich war ihm klar, dass das, was ihn quälte und nicht
aus ihm heraus wollte, au einmal herausging wie von zwei
Seiten, von zehn Seiten. „Wie gut und wie einfach“ dachte er.
„Und der Schmerz?“ fragte er sich. „Wo ist dann der Schmerz?“
Und er horchte auf. „Ah, da ist er.“

„Und der Tod. Wo ist der Tod?“ Und er suchte seine frühere
Todesangst und fand sie nicht. „Wo ist sie? Wo ist der Tod?“
Die Angst war nicht mehr da, weil auch der Tod nicht mehr da
war.

Anstelle des Todes war ein Licht. „Das ist es also!“ sagte
er laut. „Welche Freude!“
Für ihn vollzog sich das alles in einem Augenblick. Und die
Bedeutung dieses Augenblicks wechselte nicht mehr. Für die,
welche an seinem Bett standen, dauerte der Todeskampf zwei
Stunden. In seiner Brust brodelte es, sein ausgezehrter Körper
bebte. Dann wurden das Brodeln und Röcheln immer seltener.
„Es ist zu Ende“, sagte jemand über ihm. Er hörte diese Worte
und wiederholte sie in seiner Seele. „Der Tod ist zu Ende“, sagte
er sich, „er ist nicht mehr .“

Er schöpfte Luft, blieb mitten im Atemzug stecken, streckte sich
aus und starb.

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