Ach, der Herbert…. Eine Glosse

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Ach, der Herbert …..

 

Eine Glosse über einen Musik-Künstler aus dem tiefen Westen…..

 

Der Herbert, das ist so einer, der verliert fast nie die Contenance und auch nichts anderes.

Aufrecht steht er da wie ein Fels in der Brandung, aufrecht vor den Massen im Stadion

oder neuerdings auf einer türkischen Hochzeit.

Die neue Hornbrille steht ihm gut, er ist sowieso gerade sehr präsent, wenn er sich

in die Politik einmischt, sich für Themen wie Heimat und Herkunft stark macht.

Warum tut er das wirklich, ist es ihm ein solches Herzens-Anliegen oder liegt er damit

nicht gerade voll im Trend?

Wir wollen es ihm abkaufen, dass er unbedingt für die deutsch-türkische Freundschaft ist,

sogar die türkische Sprache lernt und auf Hochzeiten auf seine typische Herbert-Art singt,

bevor er türkischen Honig kostet.

Dass es nichts „Schönret gibbet als wie Currywurst“, wie er auf einem seiner ersten Alben

bekannte, finden ja auch die im Ruhrpott und anderswo lebenden Türken sympathisch, von

denen jedoch die Mehrzahl so etwas verschmäht. Ist doch aus Schweinefleisch!

Und Herbert selber? Der ist ja jetzt Hobby-Koch, ob vegan oder fleisch-liebend und Teile vom

Galloway-Rind verarbeitend, das entzieht sich meiner Kenntnis.

Zurück zu den türkischen Hochzeiten, tamam!

Herbert, Du weißt schon, dass gerade in der Türkei Heiraten eines der größten Geschäfte ist?

Da hängen ganze Wirtschaftszweige dran. Ganze Istanbuler Stadtteile leben davon, Friseure,

Perückenmacher, Schmuckmenschen, Basar-Händler.

 

 

Du singst auf der neuen Single „Doppelherz“ auf türkisch, doch auf der türkischen Hochzeit

einer Verwandten in Istanbul- Sisli hat man speziell uns Deutschen Dieter Bohlen und Modern Talking

verabreicht, ich hätte schreien können. Und hab mich erst beruhigt als ein Alleinunterhalter

an der Orgel dann schließlich zum Tanz mit volkstümlichen landestypischen Klängen aufspielte.

 

 

 

 

 

 

Ja, wenn der Herbert auftaucht, dann menschelt es meistens auch irgendwie, irgendwo, irgendwann.

Nichts Menschliches scheint dem geerdeten Sänger fremd zu sein, es greift noch mehr ans Herz

der Massen, was er seit einer persönlichen Lebenskrise  singt.

Nach der sagte er einst in einem Zeitungs –Interview: „Musik ist mein Ventil, mein Zentrum, mein Hochsicherheits-Trakt!

Das verstehen wir und finden es voll in Ordnung und diese Aussage stimmt ja auch:

Durch große Trauer kann man Gefühle intensiver empfinden!

Wenn nur mancher Song nicht so glatt daher käme, wenn ich dann nicht doch manchmal Zweifel

an echter Emotion hätte. Pathetisch vorgetragen, aber glatt gebügelt in der Aussage, so würde ich

es gerne formulieren. Manchmal fehlt mir das Herbe, das Raue an Dir, Herbert!

 

Man denkt ja, dass der Herbert seine Songtexte alle selber schreibt, doch weit gefehlt:

Eine Freundin einer Freundin einer Schulfreundin, hat einen Sohn in einer Großstadt, der zur schreibenden Zunft gehört.

Dessen Lebensgefährtin nun ist nichts weniger als gelegentliche Songtext-Schreiberin für unseren Herbert.

Und sie weiß, was da zu tun ist: Eine Prise Witz, ein Tröpfchen Augenzwinkern, eine gute Dosis

Bodenhaftung und eine Messerspitze Kitsch ist die richtige Mischung für ein neues Herbert-Lied.

 

Witzig fand ich, dass er mal sagte, dass er als alter Mann in der Helgoländer Kurmuschel – vielleicht

sogar dann im Rollstuhl- seine Männerhymne zum Besten geben will, die ihm ja so einen Mega-Erfolg

verschaffte. „Männer sind schon als Babys blau!“ sang er darin und wir hoffen, dass er auf der kalten

Insel keine blauen Finger bekommt. Aber dagegen wird ein Friesen- Tee mit ordentlich Rum helfen.

Sein Chauffeur wird ihn zum Katamaran nach Cuxhaven bringen und darf, so wie der Herbert vielleicht

selber früher, mit 200 Sachen über die Autobahn brettern.

 

Möge der Herbert weiterhin gesund und glücklich bleiben und immer die Fassung behalten.

 

 

 

 

Wenn ich so überlege, einmal passierte ihm das ja doch.. so ein Verlust der Contenance, das

war in einer Talkshow in den Neunzigern. Die neben ihm sitzende Ministerin Hanna Renate Laurin

streichelte mehrfach zärtlich sein Knie, bis es dem Herbert zu bunt wurde, er – wie von der Tarantel

gestochen- aufsprang und ihr mit bissigen Worten weiteres Berühren untersagte.

Was etwas Flegel- haft rüber kam , war in der Sache ja richtig.

 

Renate Rave-Schneider ,  copyright

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