HIER-Festival/ Droste-Tage

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Der neue Blog: Rasante Literatur-Präsentationen  nicht nur in NRW

 

Thema: DROSTE-TAGE

 

Mein Leserbrief zum Artikel von Günter Moseler in der WN, Ausgabe Havixbeck, vom 28.08.2017

( Kopie an das Westfälische Literaturbüro in Unna, Ausrichter der Auftakt-Veranstaltung!)

 

Als Besucherin des HIER-Festivals der Droste-Tage auf Burg Hülshoff am Sonnabend,

dem 26.08.2017 möchte ich Bezug nehmen auf den Artikel von Günter Moseler.

 

Es mag ja sein, dass bei der Auswahl der Autoren – hier konnte das HIER-Festival ja

durchaus mit namhaften Künstlern verschiedener Couleur aufwarten,

Rhythmus, Sound und Sprache wichtige Kriterien gewesen sind.

Dabei allerdings kam meines Erachtens der Bezug zur Lyrikerin Annette von Droste-Hülshoff zu kurz.

Ich kann nur vom Programm auf der Vorburg und der Open Air – Bühne zwischen

13 und 18 Uhr sprechen.

Da gefielen mir zum Beispiel die rezitierten westfälischen Dichter wie Zech, Winkler,

die Droste selber; mit ihrem beseelten Vortrag konnte die Schauspielerin und geübte

Sprecherin Marie-Luise Marjan die Aufmerksamkeit der Zuhörer durchaus fesseln.

Viele der vertretenen Künstler beeindruckten auf ihre Art schon, aber alles in allem

blieb doch der Eindruck von einem Kessel Buntes zurück, wo doch ein stärkerer

gemeinsamer Nenner rund um die Droste wünschenswert gewesen wäre.

Auf ihre Art waren sowohl Frank Goosen als auch Raoul Schrott genial, aber eine

durchaus begeisternde Jimmy-Reiter-Bluesband gehört m.E. eher in den Hotjazzclub Münster,

als auf ein Literaturfestival, wo es um das gar nicht so biedere Burgfräulein mit oft ketzerischen

Gedanken geht. Bissige Bänkelgesänge oder auch Balladen von ihr und anderen Dichtern

wären da aussagekräftiger gewesen, so empfinde ich es.

Ich habe die Vision, dass auf der Burg bei einem weiteren HIER-Festival noch mehr der

gemeinsame Nenner gefunden wird, sei es in Form eines Dichter- Wettstreites, sei es in

Form eines Rockmusicals. Bei einer Befragung von Lit-Aktivisten will ich gerne meine Vorstellungen

an den „Mann“ bringen.

Renate Rave-Schneider, 31.08.2017…

 

Feedback von Marita Löckner-Mertens folgte auf den Fuß per Mail:

 

Hallo Renate,

 

ich denke, man muss immer unterscheiden, mit welchem Anspruch man zu diesem Ereignis gekommen ist.

Ich beispielsweise wollte mich einfach nur unterhalten lassen mit dem

Anspruch, auch gleichzeitig gute und vielleicht auch amüsante (s. Frank Goosen)

Literatur vom jeweiligen Autor vorgetragen zu bekommen.

Mit Marie-Luise Marjan bekam man natürlich einen richtig professionell vorgetragenen Beitrag, den ich sehr genossen habe, der für mich sogar ruhig hätte länger sein können. Und ja, die Droste selbst und etwas mehr ihrer Zeitgenossen hätte mir auch gefallen.

Was die Musik angeht, so kann ich dir nicht zustimmen.

(Anmerkung der Bloggerin: Oh, Marita, ich küsse Dir die Füße, ich liebe Widerspruch. Wenn alle d ´accord sind, stimmt was nicht.)

Nicht, dass ich nicht auch an bissigen Bänkelsongs Freude gehabt hätte.

Ich hatte den Eindruck, dass es den meisten Menschen schwer fiel, sich überhaupt darauf einzulassen.

Jetzt stell dir mal vor, in den Pausen hätte man auch noch von den Leuten

verlangt, sich auf die Texte der Bänkelsänger zu konzentrieren, die wären ja

völlig überfordert gewesen.

Die Musik, die wir jetzt hatten, war zwar anspruchsvoll, aber nicht fordernd

und somit eher…. Nebensache.

Ich glaube, die Organisatoren hätten besser daran getan, nicht immer an den

Menschen und sein körperliches Wohl zu denken. Vorne an der Bühne hätte

es gereicht, bequeme Stühle hinzustellen, um es den lnteressierten möglich

zu machen richtig und ungestört zuzuhören.

Man muss meines Erachtens nicht immer  und überall eine Portion Gulaschsuppe

zu sich nehmen müssen. Und ein Glas Wein kann man auch mal in der Hand halten. Die Biertische waren fehl am Platze, vielleicht kann man das den Verantwortlichen gegenüber mal kundtun. Ansonsten würde ich mir gelegentlich

öfter mal Veranstaltungen dieses Formats wünschen.

Marita L.-M.. 31.08.2017, 10.33 Uhr

 

Der Projektmanager vom Westfälischen Literaturbüro Unna hat mir auf die Kopie meiner Mail an Dr. Hermann Knorr am 31. August

geantwortet und sinngemäß geschrieben, dass er meine Umschreibung „ein Kessel Buntes ohne großen Droste-Bezug“

als durchaus treffend empfand. Jedoch wunderte ihn, wie ich annehmen konnte, die Veranstaltung sei Teil der Droste-Tage

gewesen und hätte daher einen stärkeren Bezug haben müssen. Dabei handelte es sich, wie er sagte, stattdessen nur um den Auftakt zum mehrwöchigen Literaturfestival HIER

des Netzwerkes Literaturland Westfalen  und sollte -ausgerichtet an einem besonderen literarischen Ort in Westfalen- einen Vorgeschmack auf all das Kommende geben.

Die Annette von Droste Hülshoff-Stiftung hätte die Burg lediglich vormittags bespielt und auch wieder ab 20 Uhr mit der Performance „Nicht hier!“

Die inhaltliche Verbindung beider Veranstaltungsformate

hätte es durch den gemeinsamen Bezug zu den Themen

Region und Heimat gegeben.(Anmerkung der Bloggerin:

Sorry, das ist doch in der Tat verwirrend!)

Ja, und es stimmt: Der WN-Artikel hätte das anders dargestellt, beide Veranstaltungen in einen Topf geworfen und auch falsch zitiert.

Jedenfalls kann man das gesamte Programm des HIER-Festivals einsehen unter:

www.literaturlandwestfalen.de

Ich habe schon für uns zwei Schmankerl entdeckt:

Wladimir Kaminer in Münster und eine Performance in Unna

zum Werk von Joseph Conrad!

 

 

 

2 thoughts on “HIER-Festival/ Droste-Tage

  1. Fast vergessen: Beim Poetry-Slam am 23.08. auf Schloss Benrath erlebten Freunde und ich
    Fabian Navarro aus Wien, der in einem mit Pointen gespickten Text vortrug, wie er
    Annette von Droste-Hülshoff nachts am Kiosk traf, versetzt in unsere Zeit: „Oh schaurig ist`s
    zum Kiosk zu gehen.
    Wenn ich mich nicht täusche, hat er diesen hervorragenden Text auch bereits bei anderer Gelegenheit
    auf Schloss Hülshoff präsentiert. Wer weiß mehr>?

  2. Liebe Renate, ich war ebenfalls auf dem poetry slam, Schloss Benrath. Den Droste-slam von Fabian Navarro fand ich auch hervorragend. Wie er mir sagte, wurde der Text für eine Veranstaltung in Havixbeck konzipiert. Eine Besucherin des poetry slams in Düsseldorf nahm direkt Kontakt mit Fabian Navarro auf, um ihn für ihre Droste-Lesung zu buchen. Grüße an alle Droste Fans (ich als Münsteranerin bin quasi mit ihr aufgewachsen)

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