Palmsonntag

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Palmsonntag oder Einschneidendes Erlebnis

 

Ein herrlicher Sonntag – Morgen, im wahrsten Sinne des Wortes:

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich bei feinstem

Sonnenschein im frühlingshaften Garten. Meine Frau

räkelt sich noch in den Kissen des Bettes, die beiden kleinen

Töchter kehren gleich nach ihrer Übernachtung bei meiner

Mutter zurück.

Somit habe ich ein wenig Zeit für mich, Zeit um darüber nachzudenken,

was in den letzten Wochen seit Anfang März irrsinniges passiert ist.

 

Bei einer Routine-Untersuchung beim Facharzt in Kempen wurde

eine organische Auffälligkeit festgestellt. Was diese Veränderung,

die auf dem Ultraschall circa 1 cm groß wirkte, genau sein sollte,

war jedoch nicht exakt definierbar.

Nach einer weiteren Untersuchung einige Tage später wurde deshalb

zu einem Aufschluss bringenden MRT geraten, doch auch dieses

brachte keine eindeutige Diagnose außer der Tatsache leichter

Veränderungen. Daraufhin wurde beschlossen, das Ganze unter die

Lupe zu nehmen und via sogenanntem Schnellschnitt im Krankenhaus

zu Kempen zu öffnen.

So wurde am vergangenen Montag, dem 3.04.2017 die Op durchgeführt,

dessen Ergebnis es allerdings in sich hatte: Krebs!

Aufgrund dessen wurde in einer weiteren OP das betroffene Organ entfernt,

mit diesem Ergebnis konnte ich mich, da es ja nötig war, schnell anfreunden.

 

Am Mittwoch erfolgte dann bereits die Entlassung aus dem Krankenhaus,

dabei war ich noch völlig im Ungewissen darüber, ob bereits eine Streuung

über weitere Organe erfolgt war.

Bei zwei kleinen Kindern und Frau im Rücken kommt hier doch ernsthaft

großes „Kopfkino“ auf , Sorge breitet sich aus, weniger um mich selber,

mehr um :“Was wäre, wenn…?“

Bis vergangenen Montag hieß es schließlich noch, die Wahrscheinlichkeit,

dass es überhaupt Krebs wäre, wäre doch sehr gering.

Die Gedanken, die vor mir auftauchten, ließen sich

nicht aus meinem Kopf verbannen.

Die Sorge dem gewohnten Alltagsleben entrissen zu werden, nicht mehr da

sein zu können für die Familie, die eigenen Kinder nicht mehr aufwachsen

sehen zu können, die Frau nicht unterstützen zu können, diese Furcht vor

den schlimmen Szenarien wühlte mich auf , ebenso die Furcht dem erdachten

Leben, den Planungen, der Zukunft eine bitterböse Absage erteilen zu müssen

und das aus unfreien Stücken. Aufgrund einer plötzlichen Wendung auf einem

steinigen Pfad  möglicherweise in einer Sackgasse zu landen.

 

Ein CT sollte am Freitag, dem 7.04. darüber aufklären.

Das Warten fiel aufgrund meiner Gedankengänge höllisch schwer.

Doch das Ergebnis“ keine weiteren Auffälligkeiten“ war gottlob negativ.

Von allen Tumorarten, die bösartig sind und die man(n) haben kann, hatte

ich den harmlosesten erwischt. „Jackpot!“

 

Nun muss ich alle drei Monate zur Nachsorge, im kommenden Jahr zur

Kernspintomographie.

Die heftige Diagnose mit nun hoffentlich abgeschlossenem  Happy-End

muss ich noch sacken lassen.

 

Doch ich kann nur dankbar sein, dass es durch Zufall und Vorsorge so früh

erkannt und behandelt werden konnte.

Ein Stück weit fühle ich mich nun eine Woche vor Ostern wie neugeboren.

Dieses Ergebnis hat mich gelehrt, wie schnell alles auch zu Ende gehen kann.

Wie unser Sein an einem dünnen Faden hängt, der  jederzeit zu reißen droht.

Mit Sicherheit wird der Alltag mich bald wieder einfangen.

Doch ich werde mich bemühen, dass die Lehre nicht verblasst, ich werde stets den

Augenblick für Gutes und Sinnvolles nutzen. Ich werde Gelegenheiten

im Hier und Jetzt ergreifen, wenn sie greif- und umsetzbar  sind. Ich will die kleinen Dinge zu schätzen lernen, die

den Alltag ausmachen und Großes bergen , die stillen Momente und die lauten Feste.

 

Erlebnisse mit der Familie wie die erste Radtour mit meiner Tochter Lea will

ich genießen.

 

Durch die Krankheit habe ich eine andere Wahrnehmung des Lebens gewonnen,

es geht mir wieder gut.

 

Markus, 9.04.2017, copyright

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